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Phytotherapie
Die Pflanzenheilkunde
oder Phytotherapie (phyton, gr. = Pflanze) hat sich aus der Volksmedizin
entwickelt, in der die lange Tradition im Umgang mit der heilenden
Wirkung von Pflanzen bis heute lebendig geblieben ist, und stellt
die wohl älteste arzneiliche Behandlungsform dar.
Pflanzenheilkunde als an therapeutischen Möglichkeiten ungeahnt vielseitige
und umfangreiche Heilmethode, kann aus einem riesigen Fundus an Erfahrungswerten,
Mitteln und Anwendungsmöglichkeiten schöpfen. Das Wissen, das seit
der Antike, zum Teil durch islamische Gelehrte tradiert, im Mittelalter
in den Klöstergärten weitergegeben wurde, bestimmte die Therapie bis
in die Neuzeit. |
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Pflanzenheilkunde
stellt einen wichtigen Bestandteil aller alten medizinischen Systeme dar.
Dazu zählen die traditionelle chinesische Medizin, die japanische KampooMedizin
oder das indische Ayurveda. - Sogar Tiere nützen die Heilkräfte von Pflanzen:
So kauen zum Beispiel Schimpansen, die an Durchfall leiden, an bestimmten
Pflanzen, die sie normalerweise meiden, um ihre Verdauung zu regulieren.
Über Jahrtausende hinweg führte das Prinzip "trial and error" - Versuch
und Irrtum - zu wichtigen Erkenntnissen über die Wirksamkeit von Pflanzen
und daraus hergestellten Zubereitungen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden
die überlieferten Methoden stetig verfeinert.
Erst im 19. Jahrhundert setzte eine wissenschaftliche Betrachtungsweise
der Heilpflanzen und ihrer Inhaltsstoffe im heutigen Sinn ein. Mit dem
Aufkommen chemischer Pharmazeutika wurde die Heilpflanze als Mittel der
Therapie verdrängt.
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Die
Phytotherapie ist ein schier unendliches Forschungsgebiet: Von rund
500.000 Arten höherer Pflanzen, die auf unserem Planeten existieren,
werden weltweit ca. 70.000 zur Behandlung von Krankheiten genützt.
Nur ein Bruchteil davon wurde bisher chemisch oder pharmakologisch
untersucht.
Bis heute gibt es Pflanzen, bei denen trotz intensiver Beforschung
die Wirkstoffe nicht bekannt sind, die Wirksamkeit allerdings nicht
nur aus der Erfahrung, sondern auch in vielen Fällen durch klinische
Studien belegt ist. |
Phytotherapeutika
sind Präparationen aus Pflanzen oder getrockneten Drogen pflanzlicher
Herkunft, die den Wirkstoff oder die Wirkstoffe in mehr oder minder angereicherter
Form und zusätzlich noch Begleitstoffe enthalten. In Erweiterung des Begriffs
zu einer "Naturstofftherapie" sind neben Pflanzen auch Pilze, Bakterien,
niedere Tiere und deren Produkte sowie natürlich vorkommende Mineralien
zur Anfertigung von Heilmitteln subsummiert. Entscheidend zur Abgrenzung
der Phytotherapie gegenüber anderen Formen der Pharmakotherapie sind der
Verzicht auf Isolierung und Modifizierung einzelner Wirkstoffe aus Pflanzen
oder anderen Naturstoffen (wie in der konventionellen Pharmazie üblich)
und der Verzicht auf Potenzierung, d.h. serielle Verdünnung (wie in der
Homöopathie üblich). In der Phytotherapie wird also in der Regel mit konzentrierten
Gemischen aus natürlichen Wirkstoffen behandelt.
Die wissenschaftliche Betrachtung der Pflanzenheilkunde geht allein von
biologischen Prinzipien aus:
Die Wirkung beruht auf bestimmten Pflanzeninhaltsstoffen: diese chemischen
Wirkstoffe greifen an bestimmten Rezeptoren im menschlichen Organismus
an oder führen auf physikalische Weise zu einem Effekt.
Dosis - Wirkungsbeziehung: Zum Erzielen eines therapeutischen Effekts
ist eine Mindestdosis erforderlich; bei Unterdosierung tritt keine Wirkung
auf, bei extremer Überdosierung können unerwünschte Wirkungen eintreten.
Pflanzliche Arzneimittel stellen, auch wenn sie nur aus einer einzigen
Pflanze hergestellt werden, ein Vielstoffgemisch dar.
Die Qualität der angewendeten Arzneimittel ist mit medizinischnaturwissenschaftlichen
Methoden überprüfbar.
Dies bedeutet, dass gemäß dieser Definition homöopathische Zubereitungen
oder Bach-Blütenpräparationen nicht zu den pflanzlichen Arzneimitteln
im Sinne der Phytotherapie gehören.
In Deutschland wurde durch die sog. "Kommission E" (die durch das deutsche
Bundesgesundheitsministerium installiert wurde) ein Expertengremium geschaffen,
das die Wirksamkeit, Anwendung und Darreichung der Phytopharmaka untersucht
und in Berichten veröffentlicht.
Vom therapeutischen Wissen des Tierarztes abhängig ist die Kombination
der Drogen, die dann Synergie-Effekte entfalten können.
Die
moderne Phytotherapie westlicher Prägung geht von konventionellen
Diagnosen aus. Traditionell werden Heilpflanzenzubereitungen u.a.
eingesetzt bei Verletzungen, zur Beeinflussung von entzündlichen Prozessen,
bei Stoffwechselerkrankungen (Leber, Niere), bei Magen-Darm-Erkrankungen,
als Immunmodulatoren, bei Herz-Kreislauf-Insuffizienzen niederer Grade,
zur unterstützenden Behandlung von Erkrankungen der oberen Atemwege
und des Genitalsystems sowie rheumatischen und allergischen Erkrankungen.
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Man kann aber pflanzliche
Arzneimittel mit Erfolg auch zusätzlich zu anderen Therapieformen bei
schweren Erkrankungen einsetzen, um deren Symptome zu lindern.
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